Auf vielen Höfen in Niederbayern sieht es ähnlich aus: Im Wohnhaus gibt es Glasfaser oder zumindest ordentliches DSL, in der Maschinenhalle 150 Meter weiter nichts. Dabei bräuchte man genau dort Netz – für Kameras, den Melkroboter-PC, die Wetterstation oder einfach das Handy. Die naheliegende Lösung wäre ein Kabel. Die günstigere ist oft eine Richtfunkstrecke.
Was ist eine Richtfunkstrecke?
Zwei kleine Antennen, eine an jedem Gebäude, die sich genau gegenüberstehen und Daten per Funk austauschen. Anders als WLAN strahlen sie nicht in alle Richtungen, sondern bündeln das Signal auf das Gegenstück. Dadurch schaffen sie große Entfernungen bei hoher Geschwindigkeit. Für das Netzwerk verhält sich die Strecke wie ein langes Kabel: Im Nebengebäude steht danach dasselbe Netz zur Verfügung wie im Haupthaus.
Funk oder Kabel: eine ehrliche Abwägung
Ein Erdkabel ist die stabilste Lösung, wenn ohnehin gegraben wird – etwa beim Bau einer neuen Halle oder wenn Strom- und Wasserleitungen verlegt werden. Dann einfach ein Leerrohr für Glasfaser mitlegen lassen.
Richtfunk spielt seine Stärken aus, wenn dazwischen ein gepflasterter Hof, eine Straße, ein Bach oder ein fremdes Grundstück liegt. Gegraben wird nicht, montiert ist die Strecke meist an einem Tag, und die Kosten liegen in der Regel deutlich unter denen für Tiefbau.
60 GHz oder 5 GHz?
Für Strecken auf dem Hof und zwischen benachbarten Gebäuden kommen meist Geräte im 60-GHz-Band zum Einsatz. Sie sind sehr schnell, kaum anfällig für Störungen durch andere Funknetze und auf Entfernungen bis einige hundert Meter ausgelegt. Ihr Nachteil: Starker Regen dämpft das Signal. Gute Geräte haben deshalb eine 5-GHz-Reserveverbindung, auf die sie dann automatisch umschalten.
Für größere Entfernungen, etwa zu einem Aussiedlerhof oder einem Vereinsheim am Ortsrand, nutzt man Geräte im 5-GHz-Band. Sie überbrücken mehrere Kilometer und sind wetterunempfindlich, teilen sich das Frequenzband aber mit anderen Funknetzen in der Umgebung.
Die Voraussetzung: freie Sicht
Richtfunk braucht Sichtverbindung zwischen den beiden Antennen. Und zwar nicht nur eine dünne Linie: Um die direkte Verbindung herum muss ein elliptischer Bereich (die sogenannte Fresnel-Zone) weitgehend frei sein. Je länger die Strecke, desto dicker ist dieser Bereich in der Mitte.
Typische Hindernisse auf dem Land:
- Bäume – im Winter ohne Laub geht es noch, im Sommer plötzlich nicht mehr. Deshalb planen wir immer für den belaubten Zustand.
- Silos, Hallendächer, Heuballen-Stapel – auch Dinge, die nur zeitweise im Weg stehen.
- Geländeform – eine kleine Kuppe zwischen zwei Gebäuden reicht, um die Sicht zu verdecken.
Die Lösung ist fast immer ein höherer Montagepunkt: am Giebel statt an der Traufe, an einem Mast oder auf dem Dach. Wo das nicht reicht, kann eine Zwischenstation auf einem dritten Gebäude helfen.
Was drüben ankommt
Am Ende der Funkstrecke sitzt im Nebengebäude ein kleiner Switch. Von dort aus geht es weiter: zu einem Access Point für WLAN in der Halle, zu Kameras am Hof oder zum PC im Büro. Weil alles Teil desselben Netzwerks ist, sehen Sie Funkstrecke, Kameras und WLAN in einer App und werden benachrichtigt, falls eine Verbindung einmal ausfällt.