Fast jeder kennt das Bild: Der Router steht im Hauswirtschaftsraum, im Obergeschoss ruckelt der Videoanruf, und im Garten ist gar nichts mehr. Dann kommt ein Repeater in die Steckdose, später ein zweiter. Im Neubau lässt sich das von Anfang an vermeiden – vorausgesetzt, die Kabel liegen an den richtigen Stellen.
Warum moderne Häuser WLAN schlucken
WLAN ist Funk, und Funk mag keine dichten Materialien. Genau die stecken in einem modernen Haus: Stahlbetondecken, Fußbodenheizung mit Metallanteilen, Wärmeschutzverglasung mit Metallbeschichtung, gedämmte Außenwände. Jede Decke und jede tragende Wand dämpft das Signal spürbar.
Besonders betroffen ist das 5-GHz-Band (und das neuere 6-GHz-Band). Es liefert die hohen Geschwindigkeiten, kommt aber schlechter durch Wände als das ältere 2,4-GHz-Band. Ein einzelner Router im Erdgeschoss schafft es deshalb selten, das ganze Haus mit schnellem WLAN zu versorgen.
Access Points an die Decke, nicht in die Steckdose
Die Lösung im professionellen Bereich – und zunehmend auch im Einfamilienhaus – sind mehrere Access Points, die per Netzwerkkabel angebunden sind. Ein Access Point ist im Prinzip nur der Funkteil eines Routers, ausgelagert dorthin, wo das WLAN gebraucht wird.
Am besten funktionieren sie an der Decke, ungefähr in der Mitte des Bereichs, den sie versorgen sollen. Von dort strahlen sie gleichmäßig in den Raum, statt hinter Schränken oder in der Ecke zu verschwinden. Strom bekommen sie über das Netzwerkkabel selbst (PoE), eine Steckdose an der Decke ist nicht nötig.
Planen mit den Bauplänen
Wir legen die Grundrisse in eine Planungssoftware (bei uns das UniFi Design Center), tragen Wandstärken und Materialien ein und setzen die Access Points virtuell. Die Software zeigt dann als Farbkarte, wie stark das WLAN in jedem Raum ankommt. So sehen Sie vor dem ersten Bohrloch, ob das Kinderzimmer im Dachgeschoss gut versorgt ist – und der Elektriker weiß genau, wo die Kabel hinmüssen.
Der Technikraum: ein Ort für alles
Alle Netzwerkkabel sollten sternförmig an einem zentralen Punkt zusammenlaufen: meist im Technik- oder Hauswirtschaftsraum, wo auch der Internetanschluss ankommt. Dort sitzen später ein kleiner Netzwerkschrank, der Router, ein Switch mit PoE und – falls gewünscht – der Rekorder für die Kameras.
Planen Sie dafür etwas Wandfläche ein, eine eigene Steckdose (besser zwei) und bei Bedarf Lüftung. Ein Netzwerkschrank im fensterlosen Abstellraum ohne Luftaustausch wird im Sommer warm.
Checkliste für das Gespräch mit dem Elektriker
- Netzwerkkabel (mindestens Cat.6) zu jeder Access-Point-Position an der Decke
- Netzwerkdose in jedem Wohn- und Arbeitsraum, am Fernseher gern zwei
- Leerrohre oder Kabel zu geplanten Kamerapositionen an Einfahrt, Eingang und Garten
- Kabel zur Haustür für eine Video-Türklingel oder einen Kartenleser
- Kabel oder Leerrohr in Garage, Gartenhaus und zur Terrasse
- Alle Kabel enden beschriftet im Technikraum, nicht in einer Unterverteilung irgendwo im Haus
- Ein paar Reserve-Leerrohre zwischen den Etagen – sie kosten im Rohbau fast nichts
Häufige Fehler, die wir bei Nachrüstungen sehen
Netzwerkdosen nur im Wohnzimmer. Dann bleibt fürs Obergeschoss nur Funk über mehrere Decken.
Kabel enden im Sicherungskasten. Für Netzwerktechnik ist dort weder Platz noch Luft; oft muss neu gezogen werden.
Der Außenbereich wird vergessen. Kameras, Gartenhaus und Wallbox brauchen Netz. Nachträglich heißt das: Bohren durch die gedämmte Außenwand.
WLAN kommt zum Schluss. Wer erst nach dem Einzug plant, ist auf Funklösungen angewiesen. Die funktionieren, aber nie so gut wie Kabel.
Und wenn das Haus schon steht?
Auch im Bestand lässt sich viel machen. Oft gibt es ungenutzte Telefon- oder Antennenleitungen, Leerrohre oder einen Weg über den Dachboden. Wo wirklich kein Kabel möglich ist, werden einzelne Access Points per Funk angebunden. Das ist ein Kompromiss, aber ein deutlich besserer als Steckdosen-Repeater.